Die Hinterglaskunst prägt die Region des Staffelseegebietes. Sie gehört untrennbar zur regionalen und internationalen Kunstgeschichte, nicht zuletzt durch Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Franz Marc, die von dieser Kunst so begeistert waren, dass sie selbst Hinterglasbilder malten. Seit der Eröffnung 1993 ist die Hinterglaskunstammlung des Schloßmuseums Murnau stetig gewachsen. In den vergangenen 20 Jahren erreichten über 1200 Bilder aus europäischen und außereuropäischen Hinterglasmalzentren den Museumsbestand. Das Konzept des neuen Hinterglaskunstraumes, der 2013 im Zuge der Umbaumaßnahmen des Museums neu eingerichtet werden konnte, ist auf einen steten Wechsel ausgerichtet. Innerhalb der verschiedenen Sequenzen wird die Hängung turnusmäßig ausgetauscht. Neuerwerbungen, restaurierte Werke und Forschungsergebnisse können so in unterschiedlichen Zusammenhängen aktuell präsentiert werden. Durch die von Anfang an in der Dauerausstellung verankerte, grenzübergreifende Sammlung von Udo und Hedi Dammert lag das Augenmerk auch in den folgenden Jahren stets auf einer breit gefächerten Sammlungspolitik. Denn erst im überregionalen Vergleich kann die traditionelle Hinterglasmalerei des Staffelseegebiets kunsthistorisch eingeordnet werden. 2007 erhielt das Museum mit der Sammlung Wilhelm Gartners 420 Hinterglasbilder internationaler Ausrichtung, die die Museumssammlung ergänzten und erweiterten. Eine besondere Wertschätzung erfuhr die in Murnau und Umgebung geschaffene Volkskunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Franz Marc. Deren Faszination durch Themen und Techniken der Hinterglasmalerei beeinflusste maßgeblich die Entwicklung der expressionistischen Kunst in Deutschland. Für die Künstler im Umkreis des „Blauen Reiter“ und für Sammler wie Udo Dammert und Wilhelm Gartner stand das Neben- und Miteinander von Kunst und Volkskunst, ihre Ursprünge und ihre künstlerische Rezeption im Vordergrund. Gabriele Münter notierte rückblickend am 10. Februar 1933: „Kandinsky und ich waren (ich glaube Frühjahr 1907) in Tirol und sahen dort schöne gemalte Marterln – alte Volkskunst. Aber Glasbilder, scheint mir, lernten wir erst hier in Murnau kennen. Es wird Jawlensky gewesen sein, der zuerst auf Rambold und die Sammlung Krötz aufmerksam machte. Wir waren alle begeistert für die Sachen […]“. Bereits mit 13 Jahren erlernte Heinrich Rambold um 1900 die Hinterglasmalerei und Gabriele Münter, Wassily Kandinsky und Alexej Jawlensky konnten ihm in seiner Werkstatt beim Malen über die Schulter blicken. Vor allem bei Gabriele Münter lassen sich Kopien nach Bildern von Rambold nachweisen: „Bei Rambold sah ich, wie man es machen kann. Ich war in Murnau – soviel ich weiß – die erste, die Glasscheiben nahm und etwas machte. Zuerst Kopien, dann auch verschiedene eigene Dinge […] ich war entzückt von der Technik und wie schön das ging […]“. Für den Almanach „Der Blaue Reiter“ wählte Kandinsky zusammen mit Franz Marc 1911 sechs Hinterglasbilder aus der Staffelseeregion aus. Sie stammten aus der über 1000 Bilder umfassenden Sammlung des Murnauer Braumeisters Johann Krötz, die sich heute im Oberammergau-Museum befindet. Am 8. Juni 1911 schrieb Kandinsky aus Murnau an Franz Marc: „Wir sind noch immer hier und genießen das schöne Wetter mit Donnerwetterstimmungen […] und auch Glasmalerei. Alle 3 (auch unsere Haushälterin) malen wir Glasbilder. Ich kenne wirklich beinahe keine schönere Arbeit. Leider ist das Zeug nur so zerbrechlich“.