057 - Ödön von Horváth

Ödön von Horváth

057 - Ödön von Horváth

Der 1901 in Fiume (dem heutigen Rijeka in Kroatien) geborene Ödön von Horváth kam erstmals 1920 mit seinen Eltern und seinem Bruder Lajos zur Sommerfrische nach Murnau. 1924 bezog die Familie eine neu erbaute Villa in der Bahnhofstraße, die 1974 abgerissen wurde. In Murnau schöpfte der Schriftsteller entscheidende Anregungen für seine Werke. Als Gesellschafts- und Moralkritiker beobachtete er die „Kleinbürger“ und erforschte ihr Denken, Fühlen und Handeln. In Murnau entstanden seine bekannten Volksstücke „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1931), „Kasimir und Karoline“ (1932) und „Glaube Liebe Hoffnung“ (1933). Besonders deutlich wird der Bezug zu Horváths Erlebnissen in und um Murnau in seinen „Sportmärchen“ (1924), der Komödie „Zur schönen Aussicht“ (1926) und dem Volksstück „Italienische Nacht“ (1930). Auch mit der Malerin Gabriele Münter hatte er freundschaftlichen Umgang, wie eine gemeinsame Wanderung zur Fürstalm 1929 und eine Ölskizze mit zahlreichen Vorzeichnungen von 1931 dokumentieren. Ein Zeltlager der Hitler-Jugend bei Murnau ist einer der Schauplätze seines Romans „Jugend ohne Gott“ (1937). Nach einer Auseinandersetzung mit Nationalsozialisten im Hotel Post floh Horváth 1933 aus Murnau und starb 1938 in Paris. Er zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern und Dramatikern des 20. Jahrhunderts. Das Schloßmuseum Murnau zeigt die weltweit einzige Dauerausstellung zu Horváth. Die 2003 gegründete Ödön-von-Horváth-Gesellschaft pflegt das kulturelle Erbe durch regelmäßige Veranstaltungen. Seit 2013 vergibt die Ödön-von-Horváth-Stiftung alle drei Jahre den Ödön-von-Horváth-Preis.