040 - Max Beckmann, Disput mit Franz Marc, 1912

Max Beckmann, Disput mit Franz Marc, 1912

040 - Max Beckmann, Disput mit Franz Marc, 1912

Als „Einzelgänger im Blauen Land“ könnte man Max Beckmanns bezeichnen. Seit 1925 gab es eine besondere Beziehung zwischen Beckmann und dem bayerischen Oberland, als er in zweiter Ehe „Quappi“ heiratete, die Tochter des Münchner Malerfürsten Friedrich August von Kaulbach, die eigentlich Mathilde hieß. Der Schwiegervater unterhielt in Murnaus Nachbargemeinde Ohlstadt ein Sommeratelier und Jagdhaus, in dem Beckmann sich gelegentlich aufhielt. Beckmann hatte schon 1912 in der Zeitschrift PAN eine öffentliche, mitunter polemische Auseinandersetzung mit Franz Marc geführt. Ausgehend von ihrer unterschiedlichen Einschätzung der Rollen Pablo Picassos und Paul Gauguins als Nachfolger Paul Cézannes in der Entwicklung moderner Malerei, begründete Max Beckmann die Qualität von Malerei auf sinnlichen, aber äußerlichen Erscheinungswerten wie dem „pfirsichfarbenen Schimmer einer Haut“ oder die „Weichheit des Fleisches“ und „räumliche Tiefe“, während Franz Marc „die innere Größe eines Werkes“ als Kriterium anführte. Für Marc ist die Komposition eines Bildes maßgeblich, für Max Beckmann ist es der malerische Stil, das „künstlerisch sinnliche, (...) das nicht nur in der Fläche, sondern auch in der Tiefe liegt...“. Das bestimme den Wert eines Bildes. 1934, zweiundzwanzig Jahre nach dem Schlagabtausch mit Franz Marc, sieht sich der mittlerweile 50-jährige Beckmann mit weitaus größeren Problemen konfrontiert. Eben noch hoch gelobt, stößt seine Kunst nach 1933 bei der nationalsozialistischen Führungsriege auf Ablehnung. 1933 wird er aus seiner Professorentätigkeit an der Frankfurter Städelschule fristlos entlassen, seine Werke werden als „entartete“ Kunst beschlagnahmt und der Beckmann-Saal in der Nationalgalerie in Berlin wird aufgelöst. In dieser schweren Zeit zieht sich Max Beckmann immer wieder zusammen mit Quappi nach Ohlstadt zurück.