Eine Frau steht vor einem Schaufenster, mit dabei ein Kind. Beide blicken gebannt auf die Auslage. Diese Szene hält August Macke 1913 in einem Aquarell und einem Gemälde fest. Das Gemälde ist farblich etwas gedämpfter gehalten, wirkt aber weitaus intensiver: Auf dem Aquarell werden Frau und Kind von dem in großen Farbflächen prismatisch aufgesplitterten Schaufenster fast aufgesogen. Im Gemälde unterscheidet Macke sie klarer vom Innenleben des Schaufensters. So konfrontiert er die Figuren deutlicher mit dem Schaufenster. Charakterbildend für beide Werke ist das Spiel mit den Farben. Auf einer Reise nach Paris hat August Macke 1912 Robert Delaunay kennengelernt. „[…] Worauf ich den größten Wert lege, ist die Beobachtung der Farbbewegung“, schreibt Delaunay im Frühjahr 1913 an Macke. Davon angeregt, setzt sich nun auch Macke intensiv mit der Reflexion und Brechung von Licht auseinander. Seine Schaufensterbilder sind ein Beispiel dafür. Ob bei der Version in der Städtischen Galerie im Lenbach-Haus in München, der Ausführung im Essener Folkwang Museum von 1914 oder auf dem Blatt hier von 1913: Die Figuren konzentrieren sich auf die Auslage im Fenster und strahlen dabei große Ruhe aus. Die bewusste Zweiteilung der Bilder sowie das Spiel mit Licht unterstreichen dies noch: Links sind Blätter an einem Baum direkt sonnenbeschienen. Und rechts bildet das abgeschirmte natürliche Licht einen Kontrast zum beleuchteten Schaufenster.