Im November 1931 trug Gabriele Münter die Notiz „Horvath in roter Jacke" in ihr Arbeitsheft ein. Gegen Ende dieses Monats hatte sie mehrere Skizzen des Dramatikers angefertigt, der gerade den Kleistpreis erhalten hatte. Die Skizzen dienten als Vorlage für zwei Portraits, deren Verbleib lange Zeit ungewiss war. Durch eine glückliche Fügung gelangte eines dieser Portraits 2008 als Leihgabe ins Schlossmuseum Murnau. Auf der Rückseite der Murnauer Herbstlandschaft "Bäume am Hagenweg" sitzt der Schriftsteller in lockerer, vornübergebeugter Haltung vor einem rosafarbenen Hintergrund, dessen Umriss durch kräftige schwarze Linien gekennzeichnet ist. Die Haltung des Porträtierten lässt ihn gleichzeitig im Gespräch mit der Malerin erscheinen. Das Bild ist eine rasch angefertigte Ölskizze. Das erkennt man an der unausgeführten Augenpartie, den unbearbeiteten Rändern und dem lasierten Farbauftrag. Der Karton ist an den Seiten ohne Bemalung, aber am linken Rand mit Signatur und Nummerierung versehen. Die Wiederentdeckung des Portraits gilt für die Münter- und Horváth-Forschung als weitere Bestätigung einer freundschaftlichen Verbindung zwischen dem Dramatiker und der Malerin, deren Wege sich in Murnau kreuzten. Eine Bekanntschaft, die 1933 jäh beendet wurde. Wegen der wachsenden Bedrohung durch die Nationalsozialisten sah Ödön von Horváth sich gezwungen, erst den Ort und später das Land zu verlassen.