„Vielen Städtern ist es zum Bedürfnisse, vielen zur Gewohnheit geworden, während des Sommers 'auf's Land' zu reisen, um draußen nach Herzenslust von der frischen Luft zu athmen, um sich zu erholen oder die Zeit zu vertreiben. Das Ziel der Wanderung ist häufig unsere reizende Alpenwelt. Seit vielen Jahren eile auch ich ... in das bayerische Gebirge ... Bei der angenehmen Lage, nahe der Hauptstadt und auch dem Gebirge, gehört Murnau zu den viel besuchten Sommerfrischen […]“ vermerkte Johann Nepomuk Ingerle in seinem 1863 erschienenen Reiseführer „Bayerns Hochland zwischen Lech und Isar“. Murnau verzeichnete aufgrund seiner günstigen Lage am Staffelsee schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts steigende Besucherzahlen. Dank verschiedener Verbesserungen im Badebetrieb und mit Hilfe des 1886 gegründeten Verschönerungsvereins stieg die Attraktivität des Ortes - ebenso die Zahl der Hotels, Gasthöfe und Privatquartiere. Das "Verzeichnis der in Murnau weilenden Sommergäste" enthielt bald bekannte Namen wie Gabriele Münter, Wassily Kandinsky, Marianne von Werefkin, Alexej Jawlensky, Erma Bossi oder Ödön von Horváth. Einen großen Anstieg der Besucherzahlen bewirkte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Ausbau der Bahnlinie München-Murnau-Garmisch bis hin nach Oberammergau. Nun war es den Städtern möglich, binnen 90 Minuten Fahrzeit von München in den - um es mit den Worten Ödön von Horvaths zu sagen - „schmucken Markt“ zu gelangen. Die Hauptreisezeit war vor allem der Sommer. Gut situierte Gäste mieteten sich in dieser Zeit im Kurhaus am Staffelsee ein, in dem medizinische Bäder und Trinkkuren durchgeführt wurden, oder in angesehenen Häusern wie dem Hotel Post, dem Gasthof Seerose, dem Bahnhofshotel und dem Hotel Schönblick. Zahlreiche Sommerfrischler wohnten auch in Privatquartieren, die von Murnauern haupt- oder nebengewerblich vermietet wurden. Die Zahl der Privatvermieter war erstaunlich hoch: Nach der Jahrhundertwende standen in mehr als einem Drittel der über 300 Murnauer Häuser Privatzimmer oder Sommerwohnungen zur Verfügung. Und auch im Winter boten sportlichen Aktivitäten wie Schlittschuhlaufen, Skifahren und das auf dem Staffelsee ausgeübte „Boandlrodeln“ Anreiz für die Touristen nach Murnau zu kommen.