In dem Bild „Kuh mit Kalb“ von 1917, sind die Entbehrungen, verursacht durch den ersten Weltkrieg und die ablehnende Haltung des Künstlers dazu, nicht erkennbar. Wie so oft stehen auch hier Tiere im Mittelpunkt. Mutterkuh und Kalb sind durch die rote und weiße Farbe und die schwarze Linie miteinander wie mit einer Klammer verbunden und klar zu identifizieren. Ebenso wie die blauen, zackigen Berge und die kugelrunden grünen Büsche darunter, die durch die leuchtend gelbe Blume pointiert werden. Zu den Bildrändern hin werden die Formen undeutlicher. Einzelne, ineinander geschobene Farbflächen, mal kantig, mal rund, schneckenförmig oder gar dekorativ verschnörkelt, lassen der Phantasie freien Lauf. In seiner Leuchtkraft erinnert das Bild an die vielen Hinterglasbilder Campendonks und an sein späteres Schaffen. In den frühen 1920er Jahren verlässt er Bayern und siedelt schließlich ins Rheinland über. 1926 bis 1933 übernimmt er in der Nachfolge seines berühmten ehemaligen Lehrers, Jan Thorn-Prikker, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Entwicklung der Glasmalerei in Deutschland entscheidend mitgeprägt hatte, die Professur für Glas- und Wandmalerei an der Düsseldorfer Kunstakademie. Für Heinrich Campendonk schließt sich nun der Kreis, indem er sich verstärkt der Herstellung von Glasfenstern widmet, wie sie im nahe gelegenen Penzberg in der Christkönigskirche im Passionsfenster oder in Bonn, Essen, Hamburg und anderen Städten zu sehen sind.