Das Zusammenleben von Einheimischen, Evakuierten und Flüchtlingen, amerikanischen Besatzern, befreiten Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen ist nicht einfach. Die Bevölkerung des Ortes ist um mindestens auf das Doppelte ihres Vorkriegsumfangs angewachsen, man rivalisiert die um die knapp gewordenen Lebensmittel und Güter. In der unmittelbaren Nachkriegszeit stellt außerdem Kriminalität ein großes Problem dar. Vielen Deutschen sind insbesondere die früheren Zwangsarbeiter und befreiten ehemaligen KZ-Häftlinge, die nun als heimatlose Ausländer (Displaced Persons) vor Ort leben, ein Dorn im Auge. Der Leiter der Schutzpolizei Murnau berichtet 1947 dem Landrat von Weilheim über das Displaced Persons Lager im Hotel Post: „Ein besonderes Problem bilden für die hiesige Gemeinde die im Hotel Post in Murnau, Hauptstraße 86 untergebrachten ehemaligen Displaced Persons, die inzwischen mit deutschen Kennkarten ausgestattet worden sind, weil sie sich weigerten, in ihre Heimat zurückzukehren. Sie sollen fortab mit deutscher Verpflegung versorgt werden. Es handelt sich nach einer beim Bürgermeisteramt eingereichten Liste um 97 Angehörige der polnischen Nationalität, darunter 45 Männer, 42 Frauen und 10 Kinder… Diese 97 Hotelinsassen sollen ehemalige politische Häftlinge gewesen sein. Sie sind vor einigen Tagen mit der Forderung herangetreten, die Gemeinde Murnau müsste für...sie alle vollständige Kleidung einschließlich Wäsche beschaffen, sowie Gemüse, Kartoffel und Holz und Kohlen aufbringen. Nachdem die Gemeinde Murnau niemals in der Lage ist, die gewünschten Gegenstände für die ehemaligen DPs beizubringen, da sie die geforderten Gegenstände überhaupt nicht besitzt, wurde ihnen anheimgestellt, ihre Forderungen bei der hierfür zuständigen Stelle im Wirtschaftsamt Weilheim vorzubringen. Es ist anzunehmen, dass diese Personen, wenn sie ständig hierbleiben, für die Gemeinde eine außerordentliche Belastung bedeuten, die sich nicht allein auf wirtschaftliche Angelegenheiten, sondern auch auf das kriminelle Gebiet erstreckt. Es ist bekannt, dass diese Leute keinem geregelten Lebensberuf nachgehen, sondern zum größten Teil nur vom Schwarzhandel leben. Sie haben zum Zeitpunkt ihres Abtransportes nicht nur den amerikanischen Stellen Schwierigkeiten gemacht dadurch, dass sie sich weigerten, in ihre Heimat zurückzukehren, sondern werden künftig ein dauernder Unruheherd im Ort bleiben und eine fortgesetzte Bedrohung [!] darstellen.“