153 - Murnau und Ödön von Horváth

Murnau und Ödön von Horváth

153 - Murnau und Ödön von Horváth

„[Hier] breitet sich in hoher Lage der schöne Markt Murnau aus, der seit dem großen Brande im Jahre 1835 sehr stattlich wieder auferstanden ist. Hier sind fast mehr große und gute Gasthäuser als man erwarten sollte. Aber die Gegend ist angenehm, den Münchnern sehr gelegen, und daher im Sommer viel besucht.“ So schildert der Schriftsteller und Jurist Ludwig Steub Murnau in seinem Buch „Das bayerische Hochland“. Die „guten Gasthäuser“ waren aber immer schon mehr als bloße Einkehrmöglichkeiten für Münchner und andere auswärtige Besucher: Der Schriftsteller Ödön von Horvath, der 1901 geboren wurde und 1938 starb, lebt während den 1920er Jahren in Murnau. Gaststätten und Hotels spielen in seinen Dramen eine wichtige Rolle. Das Volksstück „Italienische Nacht“ schildert einen Konflikt zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten. Tatsächlich kommt es 1931 zu der sogenannten Saalschlacht im Gasthof Kirchmeir. Im ersten Bild des Stücks „Italienische Nacht“ konfrontieren die Sozialdemokraten, die eine Veranstaltung beim Wirt Josef Lehninger abhalten wollten, diesen mit der Tatsache, dass er auch den Nationalsozialisten seine Gastwirtschaft zur Verfügung stellt: Spr.2 (ALLE Sozialisten als nur EIN Mann) und Spr. 1( Wirt) Betz: Eine Schmach ist das! Der liebe Kamerad Josef reserviert unseren Stammtisch für die Reaktion! (Karl) Und wir Republikaner, denkt er, kommen dann hernach dran mit unserer italienischen Nacht und kaufen ihm brav sein Zeug ab, (Martin:) die Brosamen, die wo die Herren Reaktionäre nicht mehr zammfressen konnten! Wirt: Ich bin nicht korrupt! Das bin ich nicht, Leutl, das ist meine Frau. Betz: Papperlapapp! Wirt: Da gibts kein Papperlapapp! Ihr kennt meine Frau nicht, liebe Leutl! Die scheißt sich was um die politischen Konstellationen. Der ist es sauwurscht, wer ihre Würst zammfrißt! Und ich Rindvieh hab mal von einem heiteren Lebensabend geträumt! Und wenn ich jetzt den schwarzweißroten Fetzen nicht raussteck, verderben mir sechzig Portionen Schweinsbraten - das war doch ein furchtbarer Blödsinn, die Reichsfarben zu ändern! Meiner Seel, ich bin schon ganz durcheinand! Kranz: Wenn du jetzt nicht mein Freund wärst, tät ich dir jetzt ins Gesicht spucken, lieber Josef!