Das schön gelegene Murnau hat nicht nur viele Künstler von außerhalb angezogen, sondern auch selbst bedeutende Künstlerpersönlichkeiten hervorgebracht. Gleich zwei Söhne des Ortes schlossen sich im 19. Jahrhundert dem Münchner Künstlerkreis an. Der eine, Philipp Sporrer, ein ehedem gelernter Schildermaler, verschrieb sich sehr bald der Genremalerei. Die Menschen in seinen Werken stellte er auf eine humorvolle Weise dar, ganz wie bei seinem großen Vorbild und Freund Carl Spitzweg. So sind auch bei dem Bild „Mann im zusammenbrechenden Bett" von 1880 deutliche Parallelen zum „Armen Poeten" Spitzwegs von 1839 zu erkennen. Philipp Sporrer wollte die liebenswerten Schwächen und Marotten der Menschen offenlegen und nahm dazu, wie sein Freund, gerne die Position des heimlichen Beobachters ein. Der andere Murnauer Künstler ist Johann Michael Wittmer II., Sohn eines gleichnamigen Malers, der zunächst Goldschmied werden wollte. Diese Ausbildung brach er jedoch früh ab und begann 1820, gerade einmal 18-jährig, ein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in München. Dort erlernte er die Historienmalerei, bei der Ideallandschaften nach klassischem Vorbild geschaffen werden. 1828 konnte er dank eines Stipendiums des Bayerischen Königs Ludwig I. nach Rom übersiedeln. Dort schloss er sich der Gruppe der „Deutsch-Römer“ an, der auch Künstler wie Friedrich Overbeck und Joseph Anton Koch angehörten. In Rom heiratete er 1833 Kochs Tochter Helena und begleitete im gleichen Jahr den Kronprinzen Maximilian nach Griechenland und Kleinasien. In dem Bild „Rast an einem Brunnen“ von 1866 greift er diese Reise noch einmal auf – unter einem aus Steinen gefügten Rundbogen hat er dabei sich selbst und seine Frau porträtiert. In der Werkstatt des Schwiegervaters wurde die Beschäftigung mit mythologischen Themen zu seiner Spezialität. In dem Bild „Äsop, Fabeln erzählend“ von 1873 sehen wir den berühmten griechischen Dichter auf einem Brunnenaufbau sitzen und seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen: dem Erzählen von Fabeln. Um ihn hat sich eine illustre Gesellschaft geschart, die gebannt seinen Worten lauscht. Sogar die Eichhörnchen auf den Bäumen und die Ziegen vor dem Brunnen scheinen interessiert zuzuhören. Die lockere Baumgruppe im Vordergrund gibt auf der rechten Seite den Blick frei in die Weite einer klassisch komponierten, archaischen Landschaft mit einem Tempel und einer im Dunst verschwimmenden Stadt. Auf der linken Seite zieht eine kleine Karawane über eine Lichtung.