010 - Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928

Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928

010 - Adolf Erbslöh, Selbstbildnis, 1928

Adolf Erbslöh sitzt in einem blauen Sessel, sein rechter Arm ist leicht angewinkelt. Er trägt ein grün-changierendes Jackett mit weißem Hemd und bordeauxroter Schleife. Er schaut auf den Betrachter, durch seine runden Brillengläser, seine Mundwinkel sind leicht nach unten gezogen. Auch auf zeitgenössischen Fotografien, zum Beispiel auf einem Foto von Li Osborne von 1930 ist Adolf Erbslöh durch seine runde Brille, der runden Kopfform und den leicht heruntergezogenen Mundwinkeln leicht erkennbar. Auch eine Fotografie aus dem Jahre 1937, die Adolf Erbslöh mit Alexej von Jawlensky, sowie den Archäologen und Musikwissenschaftler Walter Riezler zeigt bietet den Anblick eines mitunter melancholischen Menschen. Spricht Adolf Erbslöh von seiner Kunst, wie in seinem Artikel: „Über mein Schaffen“ scheint sich dies zu bestätigen: „Was mir in meinen Bildern deutlich zu sprechen scheint, ist eine gewisse Schwerblütigkeit als Erbe meiner Bergischen Heimat.“ So doch hatte Adolf Erbslöh bisweilen auch „den Schalck im Nacken“, wenn er zum Beispiel die kleine Isabella Nadolny fragte: „Wenn du im Bett weinst, weinst du dann nach vorn oder nach hinten?“ Oder er überraschte sie mit der Frage: „Haben die Wochentage auch Farben?“ – und selbst sofort hinzufügte: „Bei mir ist der Mittwoch gelb!" Wer, der das liest, hält da nicht inne, um Einfühlung und Farbphantasie in sich weiterwirken zu lassen? Genauso frisch wirkt die spontane Bemerkung von Adolf Erbslöh: „Da kommt ja wieder dieses total verzeichnete Ehepaar!“ Als originell und weltgewandt, mit Zigarre und großer Hornbrille, als brillanter Erzähler, Musikliebhaber und guter Gastgeber, als anderen gegenüber zurückhaltend bezüglich der eigenen Kunst und engagiert für die von Freunden; und als im Grunde melancholischen Mann beschreibt ihn Isabella Nadolny in ihrem Buch: „Allerlei Leute“ von 1967. Sein Engagement für die Kunst von Freunden zeigte sich auch in seinen Bemühungen für das Jahr 1934 eine Jubiläumsausstellung der „Neuen Künstlervereinigung München“ vorzubereiten, die sich 25 Jahre zuvor gegründet hatte. Auch Gabriele Münter, von Adolf Erbslöh eingeladen, schickte eine freudige Zusage und erfuhr zu ihrem Erstaunen, dass Kandinsky nicht nur mitmache, sondern das Vorhaben sogar als ausgezeichnete Idee begrüßt habe. Doch dann kam Erbslöhs Absage: „Die große nationale Bewegung lässt eine internationale Kunstausstellung zur Zeit nicht angezeigt erscheinen.“