Schon seit Jahrhunderten wurden den Einheimischen Teile des wertvollen Moosgebietes zur Nutzung überlassen. Die Nutzungsrechte wurden per Los zugeteilt. Ab der Mitte des 19. Jahrhundert bis 1971 fand diese Verlosung alle zehn Jahre an der Ramsach-Kirche St. Georg statt - immer am Pfingstdienstag. Die kleine Kirche wird bei Ortsansässigen, Ähndl‘ genannt - „die Ahnin aller Kirchen“. Die Nutzung und Pflege des per Los zugeteilten Anteils am Moos beinhaltete meist Weiderechte und die Gewinnung von Stallstreu durch die sogenannte „Streumahd“. Dabei wird das Schilf alle zwei bis drei Jahre im Spätsommer gemäht, getrocknet und dann zu den typischen „Strahdrischen“ aufgeschichtet. Diese charakteristischen Strohhaufen wurden auch von den Künstlern des „Blauen Reiters“ als Motiv genutzt. War der Boden hart genug oder gefroren, erfolgte der Abtransport mit dem Ochsenkarren. Was neben der eigenen Viehwirtschaft an Streu übrig blieb, konnte verkauft werden. Gleiches galt für den im Moos gewonnenen Stichtorf, der aber mangels Quantität und Qualität oft nur den eigenen Bedarf deckte. Größeren Ertrag brachte der nahe gelegene Steinbruch am Moosberg, der schon zu Zeiten der Römer genutzt wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhundert erhielt er neuen Auftrieb, als in München zur Unterschotterung des neuen Straßenpflasters günstiges Material benötigt wurde. Die Steine wurden auf der Loisach und auf der Isar nach München transportiert, Tiefe Einschnitte in das Landschaftsbild verursachte der industrielle Gesteinsabbau an den Köcheln im Moor ab 1925 im Rahmen eines staatlichen Arbeitsbeschaffungsprogramms zur Förderung der Wirtschaft durch das „Hartensteinwerk Moosberg“. Ab 1930 begann der Abbau am „Langen Köchel“ bei Eschenlohe durch den privaten Steinbruchbetrieb „Hartsteinwerk Werdenfels GmbH“. Dabei machte der Gesteinsabbau auch vor einer römischen Siedlung nicht Halt: Deren Überreste behinderten die Gesteinsgewinnung. Sie wurde zwischen 1925 und 1934 restlos zerstört. Eine archäologische Notgrabung vor den Sprengungen ermöglichte eine Dokumentation und Sicherung der Funde. Unter nationalsozialistischer Herrschaft führte der Bahn- und Straßenbau zu einem verstärkten Bedarf an Schotter. Auch dafür lieferte das Werk bei Eschenlohe in großem Umfang Baumaterial. Das Murnauer Moos, ein Relikt der letzten Eiszeit und des Loisachgletschers, ist aufgrund seiner Größe und Vielgestaltigkeit einmalig. Gesteinsabbau, Trockenlegung und Nutzung waren immer auch begleitet von Forderungen nach umsichtigen Eingriffen in die Natur. Insbesondere den intensiven Bemühungen von Ingeborg Haeckel, der Enkeltochter des berühmten Biologen Ernst Haeckel, ist es zu verdanken, dass das Murnauer Moos mit seiner großen Artenvielfalt inzwischen als schützenswert eingestuft und unter Naturschutz gestellt ist.