Im Februar 1877 wurde Gabriele Münter als viertes Kind und Nesthäkchen der Familie in Berlin geboren, wuchs aber überwiegend in Herford und Koblenz auf. Ihr großes zeichnerisches Talent, mit wenigen Umrisslinien Personen genau zu charakterisieren, offenbarte sich schon früh. Die 20-jährige begann ihr Kunststudium an einer Privatschule in Düsseldorf, da Frauen zu dieser Zeit der Zutritt zu öffentlichen Universitäten noch nicht erlaubt war. Der hier unterrichtete naturalistische Stil, orientiert an traditionellen Techniken wie der plastischen Modellierung des Abzubildenden durch Schwarzweiß-Schraffur, steht im Kontrast zu ihrem klaren, analytischen Talent. Ein zweijähriger Verwandtenbesuch in Amerika, bei dem über 400 Fotografien entstanden, ist eine willkommene Abwechslung. Anschließend zieht es die 24-jährige Gabriele Münter 1901 in die Kunstmetropole München. Sie will dort ihre Zeichentechnik vertiefen und Bildhauerei studieren. Bald lernt sie in München Wassily Kandinsky kennen und lieben. Obwohl der über 10 Jahre ältere Leiter einer Malklasse bereits verheiratet war, kommt es auf einer der vielen Studienreisen in die nähere Umgebung von München zur heimlichen Verlobung. Das malende Paar bereist Holland, Tunis, Italien, Frankreich und viele andere Orte - nicht nur der Bildung wegen, sondern auch, um eine räumliche Distanz zu Kandinskys Ehefrau Anja herzustellen. Im August 1908 kommt es zusammen mit dem befreundeten Künstlerpaar Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky zu dem legendären Malaufenthalt in Murnau, der 1909 zur Gründung der "Neuen Künstlervereinigung München" und 1911 zur Bildung der Redaktion des "Blauen Reiter" führt. Die Maler des 'Blauen Reiter' finden hier zu einem völlig neuen, expressiven Malstil, der sich von den Techniken der alten akademischen Bildtradition abwendet, hin zu einer Verwendung von leuchtenden und kontrastreich gesetzten Farbwerten. Fortan ist nicht länger die exakte Wiedergabe der Natur, sondern die Wiedergabe subjektiver Empfindungen in auf Grundformen reduzierten Motiven das Hauptanliegen. Beeindruckt von der Klarheit und Schönheit der Landschaft wählen Münter und Kandinsky in den Sommermonaten 1909 Murnau als Standort und wohnen in dem von Gabriele Münter erworbenen Haus an der Kottmüllerallee. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs zerreißt bestehende Gruppen und Partnerschaften. Für Gabriele Münter schließt sich ein fast fünfjähriges Intermezzo in Skandinavien an. Nach ihrer Rückkehr 1920 muss sie die Enttäuschung über die zerbrochene Beziehung zu Kandinsky verkraften, den sie vier Jahre zuvor das letzte Mal gesehen hat. Mühsam versucht sie in der deutschen Kunstlandschaft wieder Fuß zu fassen und ihrem Leben eine Richtung zu geben. Sie zieht häufig um und finanziert sich mehr schlecht als recht durch Portraitzeichnungen. Erst Ende der Zwanziger Jahre kann sie wieder hoffnungsvoll nach vorne blicken, nachdem sie die Bekanntschaft des Kunsthistorikers Johannes Eichner gemacht hat, zu dem sie mehr und mehr eine tiefe Freundschaft aufbaut. Im Anschluss an einen inspirierenden Studienaufenthalt in Frankreich wählt die 54jährige 1931 Murnau als endgültigen Wohnsitz. Den bedrohlichen Faschismus unter den Nationalsozialisten sowie den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen überleben Gabriele Münter und Johannes Eichner zurückgezogen im mittlerweile wintertauglichen Haus an der Kottmüllerallee. Mitte der fünfziger Jahre wird Münters Malerei wieder geschätzt, nicht zuletzt dank der Unterstützung Johannes Eichners und der Wiederentdeckung der Kunst des „Blauen Reiter“. Zu ihrem 80. Geburtstag übergibt Gabriele Münter eine umfassende Sammlung unschätzbarer Werke des „Blauen Reiter“ in Form der Gabriele Münter- und Johannes Eichner-Stiftung an die Stadt München. Grundlage dieser einmaligen Sammlung waren die Kunstwerke aus den gemeinsamen Haushalten mit Wassily Kandinsky, die ihr nach der Trennung zugesprochen wurden. Bis zu ihrem Lebensende malt Gabriele Münter mit ungetrübtem Elan. Sie stirbt am 19. Mai 1962 im Alter von 84 Jahren in ihrem Haus in Murnau. Auf dem Friedhof der St. Nikolauskirche, mit dem Blick über Murnau auf das Münter-Haus, ist ihre Grabstätte noch heute zu besichtigen.