154 - Fremdenverkehr

Fremdenverkehr

154 - Fremdenverkehr

Die Besucher bringen Geld in die Region. Allerdings ist der Tourismus schon seit dem frühen 20. Jahrhundert nicht ohne Probleme. Unterschiedliche Bräuche und Sitten von Urlaubern ebenso wie Einheimischen schaffen Konfliktstoff. Auch die Natur ist nicht ohne Tücken. 1927 bricht ein Lehrer aus Wiesbaden mit einer Schülergruppe zu einer Herbstwanderung in den Bergen auf und beklagt sich anschließend in einem Brief an den Deutsch-österreichischen Alpenverein über seine Erfahrung mit unmarkierten Wegen: „Nach vier Uhr nachmittags bin ich mit etwa 20 Schülern vom Heimgarten nach Ohlstadt hinabgestiegen, da mir gesagt worden war, der Weg sei markiert; auch der Baedeker sagt dasselbe. An der Käseralpe fanden wir den letzten Wegweiser. Der Weg ging nicht vom Heimgarten aus, sondern zweigte von dem Gratweg ab, zwischen Herzogstand und Heimgarten. Gleich hinter der Käseralpe aber hörte mit einemmal Markierung und Wegspur plötzlich auf. So geriet ich mit den Schülern in die Nacht, wir irrten einige Stunden im Sumpf und Wald und Flussbett herum, bis wir gegen 8 Uhr in Ohlstadt wieder den Weg erreichten. Wenn es uns also noch gut gegangen ist, so habe ich als verantwortlicher Führer doch einige Stunden der Sorge und Angst ausgestanden. In Ohlstadt sagte mir der Wirt, derartiges wiederhole sich fast jeden Tag. Der Weg sei nicht bezeichnet. Das Gebiet gehörte der Sektion Weilheim, die nichts unternehme, sich andererseits aber auch weigere, andere Sektionen, die sich um den Weg bemühten, den Weg bezeichnen zu lassen; es seien schon zahlreiche Beschwerden eingelaufen. Die Gemeinde Ohlstadt habe ein Interesse an dem Weg, aber auch sie dürfe nichts unternehmen, es sei nicht möglich, den Weg zu markieren.“ Die Sektion Weilheim erklärt in einem wütenden Brief gegenüber dem Hauptausschuss des Deutschösterreichischen Alpenvereins, der Weg führe durch ein versumpftes Hochmoor, so dass rund 2000 Mark zur Instandsetzung notwendig seien, die die Sektion nicht aufbringen könne. Im Übrigen sei der Beschwerdeführer offensichtlich nicht unschuldig an seinem Missgeschick: Es sei untunlich, als Tourist ohne Bergkenntnis am Spätnachmittag im Herbst noch in den Alpen zu wandern, insbesondere mit bergunkundigen Jugendlichen. Farbfleckmarkierungen wären angesichts der einbrechenden Dunkelheit sinnlos. Von einem Lehrer sei zu erwarten, dass er anhand einer Karte den Weg finden könne, ansonsten solle er mit seinen Schutzbefohlenen besser lediglich tagsüber im städtischen Park oder auf der Landstraße spazieren gehen.