156 - Kriegerdenkmal

Kriegerdenkmal

156 - Kriegerdenkmal

Der spätere völkische Landtagsabgeordnete Ernst Graf Fischler von Treuberg wendet sich 1923 mit einem Brief an Hitler, in dem er sich bitter über die Spende von James Loeb für das Kriegerdenkmal beklagt. Der Brief wird im Wahlkampf 1928 von der SPD veröffentlicht. „Der Jude und amerikanische Großbankier Loeb, der in Murnau leider einen Landsitz hat. hat der Kommission vor einiger Zeit 100 Dollar geschenkt, die unbegreiflicherweise mit Dank von der Gemeindevertretung und der Kommission – mit Ausnahme Stubenrauchs angenommen wurden. Dabei hatte der Judenlümmel noch die Frechheit, dem Bürgermeister zu sagen, es würde ja nichts machen, wenn das Geld auch von einem Juden sei. Es hat nun diese Geldgabe eines amerikanischen Juden in Murnau die Gemüter sehr stark für und gegen erregt, was dazu führte, dass Stubenrauch vor einiger Zeit eine Protestversammlung einberief, in der die Meinungen aufeinanderplatzten. Es wurde eine Spaltung innerhalb NSDAP und Oberland hervorgerufen, insofern sich ein Teil Oberlands unter Führung des Bezirksvorsitzenden von Oberland, Herrn Leu, der zugleich Vorsitzender des Kriegervereins ist, für die Annahme des Geldes dieses Juden erklärt hat. Bund Bayern und Reich und der Vertrauensmann der Bayerischen Volkspartei, Forstmeister Sperr, haben die Gelegenheit wahrgenommen, diesen Fall dazu zu benutzen, gegen uns zu wirken, leider nicht ohne Erfolg, unter Verwertung der Dämlichkeit vieler Murnauer. Der Schaden muss und kann ausgebessert werden!“ Treuberg schlägt vor, James Loeb die 100 Dollar zurückzugeben und anderweitig Geld einzusammeln:… „Man müsste sehen, jemanden zu finden, der Judenhasser ist und bereit ist, die fehlenden Dollar zu geben. Man muss der Gemeinde sagen: Ihr habt vom Juden Loeb, der Ausländer ist und als Mitinhaber des amerikanischen Bankhauses Loeb und Kuhn, welches während des Krieges die Munitionslieferungen für unsere Feinde mit finanziert hat, mit dazu beigetragen hat, dass mit amerikanischer Munition deutsche Brüder erschossen wurden, unter denen vielleicht gerade auch Murnauer Heldenbrüder sind, zu deren Gedächtnis ihr dieses Denkmal errichten wollt...Ihr habt Geld für dieses Denkmal genommen und damit euch an diesen Gefallenen versündigt. Ein deutscher und völkischer Mann unserer Bewegung hat uns…das noch fehlende Geld zur Verfügung gestellt unter der Bedingung, dass die 100 Dollar dem Juden mit einer entsprechenden saftigen Erklärung zurückgegeben werden... Auf diese Art könnte man die Leute zwingen, so zu handeln, wie gehandelt werden muss, denn die Gemeinde ist wegen der Restsumme sehr im Druck. Ich habe die ganze Angelegenheit schon vor einiger Zeit mit Hanfstaengl auf dem Schlageter-Gedenkabend unserer Bewegung besprochen, der mir versprach, mit Ihnen darüber zu sprechen, und mir zugleich sagte, er wolle es schon machen, denn es sei ein Skandal. Gestern abend auf dem Abend der Reichsflagge sprach ich Hanfstaengl wieder, der aber im Gegensatz zu seiner ersten Stellungnahme eine etwas ablehnende Haltung einnahm, man brauche jetzt Geld für wichtigere Dinge. Ich möchte glauben, daß diese Angelegenheit doch immerhin auch eine sehr wichtige ist. Ich bitte Sie, sehr geehrter Herr Hitler, sich der Sache anzunehmen…. Ich bin auch selbstverständlich bereit, mit den schlappen Hammeln in Murnau zu reden und sie in vorgedachter Form gegen den Saujuden zu schicken. Mit treudeutschem Gruß immer Ihr getreuer Graf Treuberg.“ Graf Treuberg wird 1924 in den Bayerischen Landtag gewählt, wo er zunächst zum Völkischen Block gehört. Er überwirft sich bald mit Hitler und schließt sich der Fraktion der Deutschnationalen Volkspartei an. 1928 wird er nicht mehr dem Landtag angehören. Während des Dritten Reichs versucht er vergeblich, der NSDAP beizutreten. Der Murnauer NSDAP-Ortsgruppenleiter Fritz Köhler wehrt sich vehement gegen Treubergs Aufnahme in die Partei.: „Ein Mann wie Graf Treuberg, der aus Geschäftsrücksichten seine Gesinnung so oft wechselte, der von Partei zu Partei rannte, kann und darf niemals Mitglied der NSDAP werden. Treuberg ist kein Nationalsozialist, sondern ein Geschäftspolitiker. […] In einer Murnauer Kriegerdenkmalangelegenheit schimpfte er in der Öffentlichkeit gegen den Juden Dr. James Loeb, Murnau. Nach einigen Tagen besass Herr Treuberg die Frechheit und wollte mit seiner Gattin bei diesem Juden einen Besuch machen. Der Jude war aber so anständig, dass er Herrn Treuberg mit seiner Frau einfach nicht empfing.“]