Hotels, Gaststätten und Privatquartiere dienen während des Zweiten Weltkrieges Evakuierten und Flüchtlingen als Unterkunft. Zwischen Einwohnern und Neuhinzugekommenen gibt es Konflikte. Ein Murnauer SA-Scharführer beschwert sich im Juni 1942 über eine nicht einheimische Frau, die weite Männerhosen trägt. Er hält ihren Aufzug für ein „öffentliches Ärgernis“. Der Vorfall wird bei SA und NSDAP-Versammlungen thematisiert. Die SA schlägt vor, die NSDAP solle für die Aufstellung von Tafeln sorgen mit der Aufschrift: „Männerhosentragende (nicht berufstätige) Frauen sind unerwünscht.“ Sogar Bürgermeister und Gemeinderat müssen sich damit befassen. Zwar sieht man von der Anbringung von Schildern ab, aber der Bürgermeister schwört die Gastwirtschaften darauf ein, Frauen in Hosen nicht zu bedienen. Bürgermeister Amann schreibt an die SA, er habe der Polizei Befehl gegeben, derartigen Frauen mitzuteilen, „dass nicht garantiert werden könne, dass in Murnau wegen des Männerhosentragens durch Frauen öffentlich unliebsame Auftritte vorkommen, weshalb die Frauen eventuell zu gewärtigen haben, in Schutzhaft genommen zu werden. Auf diese Weise, glaube ich, wird den betreffenden Frauen am ehesten der Aufenthalt verleidet und das anstößige Verhalten eingestellt.“