124 - Wachsvotive mit Model und Lebkuchen-Model, 19. Jahrhundert

Wachsvotive mit Model und Lebkuchen-Model, 19. Jahrhundert

124 - Wachsvotive mit Model und Lebkuchen-Model, 19. Jahrhundert

Neben Bitt- und Dankesgaben aus Holz, Silber und Eisen sowie bemalten Votivtafeln, gab es wächserne Votivgaben, die die Gläubigen nach überstandener Erkrankung oder überlebtem Unglücksfall bei einem Wachszieher erwarben und in einer Wallfahrtskirche aufstellten. Die hier gezeigten Votivgaben stammen aus der Wachszieher- und Lebzelterei der Murnauer Familie Forster. Der vor allem im süddeutschen Bereich verbreitete Brauch der Wachsvotive erscheint uns heute seltsam fremd. Man geht jedoch davon aus, dass es wächserne Votivgaben bereits in der Antike gab. Quellenkundlich nachgewiesen werden sie seit dem 10. Jahrhundert. Das fortschreitende Mittelalter überliefert bereits zahlreiche bildliche Darstellungen, auf welchen Wachsvotive abgebildet sind. Die Votive wurden in sogenannten Holzmodeln gegossen. Während Körperteile wie Hände, Ohren, Augen und Zungen für das jeweils überstandene Leiden standen, symbolisierten Nutztiere (wie in diesem Fall der Hahn) und Häuser überstandene Sorgen und Nöte im ländlichen Alltag. Die Herz-Negativform wurde von der Wachszieherei Forster, die gleichzeitig Lebzelterei war, für die Herstellung von Lebkuchen verwendet.