037 - Gabriele Münter, Wäsche am Strand, 1907/08

Gabriele Münter, Wäsche am Strand, 1907/08

037 - Gabriele Münter, Wäsche am Strand, 1907/08

Während ihres Winteraufenhaltes 1905/06 in Ligurien hat Gabriele Münter das Motiv Wäsche und Boote am Strand in einer Reihe von Fotos, Skizzen und Ölstudien festgehalten. Zwei Jahre später befasst sie sich während eines Pariser Aufenthalts intensiv mit der Druckgrafik und greift das Motiv erneut auf. Gekonnt setzt sie es in einem ihrer bekanntesten Linolschnitte um. Über eine parallel zum Horizont verlaufende Stange sind unterschiedliche Wäschestücke gehängt, die ihre Schatten auf den Strand werfen. Rechts liegen einige an Land gezogene Boote, deren hochstehende Buge über der Wäschestange in den Himmel ragen. Links schließt ein kleines, in Rückenansicht gezeigtes Mädchen das Bild ab. Was in einer früheren Farbskizze und einer Gouache noch mit vielen farbigen Details versehen ist, reduziert Münter im Linolschnitt fast auf einen Schattenriss. Sie arbeitet mit zarten Grau- und Pastelltönen, aus denen ein rotes Wäschestück in der Mitte herausleuchtet. Das Meer wird nur durch ein winziges Segelschiff links am Horizont kenntlich, und die Boote – wenn überhaupt – fast allein durch den Rumpf und dessen Schatten. Aus der Vielfalt der Strandszenen filtert Münter souverän interessante Strukturen und Formen heraus und verbindet sie zu einer spannungsreichen Komposition von hohem Abstraktionsgrad. Gleichzeitig scheint die Verbindung von aufgehängtem Rock und aufgebogenen Bootsenden mit dem Motiv von Cancan-Tänzerinnen mit ihren hochgeworfenen Beinen zu spielen. Die auf der Stange abgelegte Kleidung, das aufs Meer blickende Kind und das am Horizont verschwindende Schiff zeugen nicht nur von einem lichten Sonnentag am Meer, sondern auch von Münters glücklichster Zeit mit Kandinsky in Rapallo.