Es ist der 31. Juli 1910. Ein sonniger Sonntag im Sommer. Die Malerin Gabriele Münter aus Murnau zieht es raus in die Natur. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, dem Maler Wassily Kandinsky, macht sie eine Bootsfahrt auf dem Staffelsee. Mit dabei sind auch ihre Künstlerfreunde Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky sowie Jawlenskys Sohn Andreas. Acht Jahre ist er gerade alt. In dieser Gruppe ist man oft zusammen. Seit zwei Jahren unternimmt man viele solche Ausflüge. Gabriele Münter zeichnet und zeichnet. In einem Büchlein skizziert sie die Personen und Szenen in dem Boot. Selbst der Dackel von Freundin Marianne kommt mit aufs Bild. Aus diesen Skizzen entstehen später mehrere Ölstudien und eine große Fassung. Diese große Fassung zeigt Münters Partner Wassily Kandinsky – fast ein wenig steif – stehend am Bug. Das Bild ist heute im Milwaukee Art Museum in den USA zu sehen. Viel frischer und lebendiger wirkt dagegen die Studie des ersten Entwurfs hier im Museum. Es ist eine kleine Ölskizze mit beiden Frauen und dem Jungen. Zwar sind die Gesichter abgewandt. Und bei dem Kind ist das Gesicht gar nicht ausgeführt. Gerade das aber lässt beim Betrachten Spielraum für Fantasie. Worüber sprechen die Frauen wohl gerade? Und was geht dem verträumt über den See blickenden Jungen durch den Kopf? Vielleicht, dass sie bald am anderen Ufer ankommen und was der Ausflug sonst noch bringt. Wer aber ist die Person am Ruder, von der man nur den Rücken sieht? Möglich, dass es Helene Nesnakomoff ist – das Dienstmädchen von Münters Freundin Marianne. Sie ist die Mutter des kleinen Andreas. Münter könnte hinter ihr gestanden und die Szene skizziert haben. Die Malerin könnte aber auch sich selbst in der Figur der Ruderin verewigt haben. Dafür sprechen die zentrale Position im Bild und letztlich auch Münters Selbstverständnis als Malerin. So wie hier wird die Runden bald nicht mehr zusammenkommen. Münters russischer Malerfreund Alexej von Jawlensky erträgt den Sommer in Oberbayern nicht. „[…] Der Sommer ist dort immer gräßlich und wir sitzen da noch im Herbst die ganze Zeit bei geöffnetem Fenster.“ So schreibt es der Expressionist in einem Brief. Seine Beine und Schultern schmerzen, was er auf das Klima zurückführt. Sein Arzt verbietet ihm das „feuchte Klima in Murnau“ letztlich ganz. So hält Gabriele Münter hier einen der letzten gemeinsamen Ausflüge in Murnau fest.