Ausdrucksstark in kräftigem Kolorit: 1911 malt Alexej von Jawlensky intensive Landschaften und Porträts. Er hat Murnau verlassen und hält sich in Prerow an der Ostsee auf. Dort entsteht das Bild „Violetter Turban“. Es zeigt Jawlenskys spätere Frau Helene Nesnakomoff. Als Jawlensky sie malt, ist sie 30 Jahre alt. Zu dieser Zeit ist noch das Dienstmädchen bei Jawlenkys Künstlerfreundin Marianne von Werefkin – und zugleich die Mutter seines Sohnes. In diesen Jahren verfolgt Jawlensky interessiert den Weg seines Freundes Wassily Kandinsky. Der abstrahiert in seinen Bildern immer mehr. Jawlensky hingegen bleibt noch im Gegenständlichen – wenn auch mit mehr Stil-Freiheit. Für das Porträt seiner Partnerin wählt er einen blauen Hintergrund. Helene trägt ein rotes Oberteil und einen violetten Turban. Große Farbflächen umrahmen ihr Gesicht. Ihre mandelförmigen Augen blicken selbstbewusst. Lippen, Augen, Brauen und Nasenbein sind in schwungvollem Strich angelegt. Modulierende Farbflächen in reinem Gelb, Orange, Violett, Rosa, Rot und Grün scheinen schnell nacheinander aufgetragen. Das Werk ähnelt den ebenfalls 1911 entstandenen Gemälden „Die Bucklige“, „Der Buckel I“ und einem weiteren Helene-Porträt – „Frau mit roter Bluse“. Zugleich erscheint „Der violette Turban“ wie ein Pendant zu Jawlenskys berühmtem, trotzig-stolzem Selbstporträt aus dem gleichen Jahr. Alle diese Bilder belegen im Vergleich zu vorherigen Porträts, wie sich Jawlensky in seinem Schaffen weiterentwickelt. Er habe im Sommer in Prerow eine große Wendung in seiner Kunst vollzogen. So bemerkt es Jawlensky selbst in einem Rückblick. „Der violette Turban“ wird im Winter 1911/1912 auf der dritten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München in der Modernen Galerie Thannhauser präsentiert – zeitgleich mit der ersten Ausstellung des „Blauen Reiter“.