Blau ist eine prominente Namensfarbe in der Kunst. Es ist die Kennfarbe des bekannten „Blauen Reiter“. Und später benennt sich noch eine weitere Künstlergruppe danach: „Die Blaue Vier“. Hierzu zählen auch drei wichtige Maler aus dem Kreis des „Blauen Reiter“: Alexej von Jawlensky, Wassily Kandinsky und Paul Klee. Diese drei gründen zusammen mit Lyonel Feininger und Emilie Esther Scheyer am 31. März 1924 in Weimar „Die Blaue Vier“. Zu dieser Zeit kennt die Malerin Emilie Esther Scheyer das Werk von Alexej von Jawlenskys schon lange. Sie vermittelt ihm Ausstellungen und handelt mit seinen Werken. Längst ist Scheyer eine enge Vertraute für ihn. Wegen ihrer schwarzen Haare nennt Jawlensky sie „Galka“ – „Dohle“ in seiner Muttersprache Russisch. Für die „Dohle“ bedeutet die Gründung der „Blauen Vier“ einen offiziellen Auftrag: Sie soll die vier Künstler in den USA als Agentin vertreten. Denn dorthin emigriert sie kurz danach. Mit viel Leidenschaft baut die „Dohle“ in Amerika ein Netzwerk auf. Und schon bald können „Die Blauen Vier“ in New York, San Francisco und Los Angeles ausstellen. So auch Lyonel Feininger. Sein hier gezeigtes Gemälde „Promenade“ schöpft – wie andere Bilder von ihm auch – aus einem Aufenthalt in Paris. Zwei Jahre lang hat er dort am Boulevard Raspail 242 ein Atelier gemietet. Feininger ist fasziniert – von den Bohemiens wie dem Großbürgertum. So entsteht eine Reihe von figürlichen Darstellungen. Dabei sind die Motive nach kubistischem Stil in kristalline Formen zerlegt. Feininger selbst nennt dies „Prismaismus“. Die „Promenade“ ist ein Beispiel für diesen verfremdenden Effekt. Darüber hinaus entwickelt die „Promenade“ eine rätselhafte Sogwirkung: Die Figuren scheinen in großer Eile. Im linken Teil des Bildes stoßen die Personen fast zusammen. Und doch nehmen die Figuren kaum voneinander Notiz. Laufen sie konzentriert irgendwo hin? Oder eilen sie gehetzt von irgendwo weg? Unfreiwillig mag das Gemälde von 1913 ein „Fensterblick“ in Feiningers eigene Zukunft sein: 25 Jahre nachdem Lyonel Feininger die Szene malt, gerät er in Deutschland unter Druck. Sein vorher bejubeltes Werk gilt in der Nazi-Zeit als „entartete Kunst“. 1937 kehrt Lyonel Feininger mit seiner jüdischen Frau Julia zurück in die USA in seine Geburtsstadt New York. Die „Promenade“ lässt er zusammen mit 63 weiteren Arbeiten bei einem Freund aus Bauhauszeiten zurück. Feiningers Familie erhält die Bilder später zurück und bewahrt sie in ihrer neuen Heimat Amerika auf.