082 - Robert Delaunay, Esquisses pour Hommage à Blériot, 1914

Robert Delaunay, Esquisses pour Hommage à Blériot, 1914

082 - Robert Delaunay, Esquisses pour Hommage à Blériot, 1914

Keiner hat auf Louis Blériot gesetzt! Auf den Außenseiter, den Unternehmer ohne Glück. Auch als Flieger tauge der Franzose kaum, sagt man. Das ändert sich am Sonntag, den 25. Juli 1909: 36 Kilometer und 37 Minuten machen Louis Blériot berühmt. Er fliegt als erster Mensch über den Ärmelkanal von Calais nach Dover. Die Maschine dafür hat er selbst gebaut. Sofort erreichen ihn mehr als 100 Bestellungen. So wird Louis Blériot zum Pionier der kommerziellen Flugzeug-Konstruktion. Fünf Jahre später setzt Robert Delaunay dem Luftfahrt-Pionier ein malerisches Denkmal. Das hier gezeigte Bild ist pure Rotation. Es zeigt Flugzeuge, Rotoren-Blätter und Propeller, umschlossen von scheibenförmigen Farb-Segmenten und Kreisen. Man meint förmlich, die Motoren zu hören und die Vibration zu spüren. Insgesamt sind von dem Werk zwei große Versionen und sechs Vorstudien bekannt. Das Werk gehört zu Delaunays Bilderserie „Disques“, auf Deutsch „Scheiben“. Die Serie basiert auf der Farben-Lehre von Michel Eugène Chevreuls, die auf Simultan- und Komplementär-Kontraste setzt. Von dem Werk sind bisher fünf Vorstudien bekannt gewesen: Die Studie auf Papier hier in der Murnauer Sammlung gehörte interessanterweise einmal dem amerikanischen Maler Morgan Russell. Als größeres Pendant ist deutlich das Gemälde mit gleichem Motiv im Kunstmuseum Basel auszumachen. Mit diesem Bild und anderen Arbeiten beeinflusst Robert Delaunay den deutschen Expressionismus. Eines seiner Werke wird zum Beispiel 1911 in der ersten Ausstellung „Die Redaktion Der Blaue Reiter“ in der Modernen Galerie Heinrich Thannhauser in München gezeigt. Es zeigt eine Innenansicht der gotischen Severinskirche in Paris. Dieses Bild bleibt nicht lange bei Thannhauser. Adolf Erbslöh, selbst Maler und erster Vorsitzender der Neuen Künstlervereinigung München, hat zur gleichen Zeit auch eine Ausstellung in der Galerie. Dort sieht er das Gemälde der Künstler-Konkurrenz. Erbslöh kauft Delaunays Bild – der erste Verkauf für Delaunay überhaupt. Ein Jahr später, 1912, ist Robert Delaunay dann auch mit fünf Werken in dem Almanach „Der Blaue Reiter“ vertreten.