017 - Gabriele Münter, Dunkles Stillleben mit Figürchen, 1910

Gabriele Münter, Dunkles Stillleben mit Figürchen, 1910

017 - Gabriele Münter, Dunkles Stillleben mit Figürchen, 1910

Vor einer mit Hinterglasbildern geschmückten blauen Wand zeigt das Stillleben auf einem Tischchen eine weiße, vierhenkelige Vase mit üppigen roten und gelben Blumen und in der rechten unteren Bildhälfte eine Gruppe von Madonnen. Sie weisen alle denselben Farbklang aus Rot und Blau im Gewand und Gelb in der Krone auf. Sie sind in ihren Umrissen vor dem dunklen Hintergrund kaum voneinander zu trennen. Als Gruppe bilden sie eine ähnlich geschlossene Form wie die Blüten in der Vase. Die klare Komposition aus Wandbildern, Figuren und Blumenarrangement wird durch die Reduzierung auf wenige, mehrfach wiederkehrende Farben betont. Auf einem der ersten, von Gabriele Münter gefertigten Hinterglasbildern, das sich in der Sammlung des Schloßmuseum Murnau befindet ist der „Heilige Florian“ abgebildet. Gabriele Münter erlernte die Technik der Hinterglasmalerei von Heinrich Rambold, einem ortsansässigen Glasmaler. Auf ihrem „dunklen Stillleben mit Figürchen“ zeigt sie auf der oberen rechten Bildhälfte den „Heiligen Florian“ von Heinrich Rambold, dessen Umrisse Gabriele Münter auf die Rückseite einer Glasplatte gepaust hat. Dann musste sie die Teile der Darstellung, die den Vordergrund ausmachten, zuerst auftragen, bevor sie sich mit dem Hintergrund befasste, damit beim Umwenden des Glases eine bildgerechte Wirkung entstand. Der „Heilige Florian“ von 1909 gilt als ihr erstes kopiertes Glasbild. Naturgemäß seitenverkehrt! Aber schon 1910 entstanden Glasbilder mit eigenen Motiven und Botschaften.