013 - Erma Bossi, Stillleben mit Karaffe, um 1912

Erma Bossi, Stillleben mit Karaffe, um 1912

013 - Erma Bossi, Stillleben mit Karaffe, um 1912

In der zweiten Ausstellung der Neuen Künstlervereinigung München, in der Galerie Thannhauser, wurden vier Landschaften von Georges Braque gezeigt, unter anderem „Das Tal“ und der „Viadukt bei Estaque“. Beide sind 1908 entstanden und läuten mit ihrer stark vom Gegenstand gelösten und der in geometrisch aufgesplitterte Formen übersetzten Gegenständlichkeit eine Stilrichtung ein, die Erma Bossi von ihren Besuchen in der Pariser Kunstszene offenbar bekannt war. Ein Beispiel für ihre kubistischen Experimente ist das um 1912 entstandene „Stillleben mit Karaffe“. In kräftigen Farben steht im Zentrum der Komposition auf einem in Blautönen changierenden Untersatz die Glaskaraffe auf einem kleinen, in leuchtendem Gelb wiedergegebenen Tischchen. Die Karaffe wird von einer großen, grünen Weinflasche und einem roten, teils ornamental gemusterten Vorhang hinterfangen. Links im Bild füllen eine Schale mit Obst, dahinter eine Dose, ein Glas und weitere Gegenstände die kleine Tischfläche aus. Bossi hat hier Auf-und Nahsicht miteinander kombiniert. Neben dem perspektivischen Wechsel von extremer Aufsicht, wie der Blick auf die Obstschale, bis hin zu der von der Seite in Nahsicht abgebildeten Karaffe löst sich auch der konstruktive Raum nach hinten hin vollständig auf. Mit kräftigen, ungemischten Farben werden Komplementärkontraste nebeneinandergesetzt, die die Leuchtkraft der einzelnen Farben verstärken