1909, im Gründungsjahr der „Neuen Künstlervereinigung München", präsentierte der Maler Alexander Kanoldt seine „Modelle" bei der ersten Ausstellung des Vereins vom 1. bis 15. Dezember in der Münchner Galerie Thannhauser. Das Gemälde zeigt den typisch flächigen Malstil mit von dunklen Umrisslinien eingefassten leuchtenden Farbflächen und dem Verzicht auf Details, der schon 1908 vor allem von Alexej Jawlensky und Gabriele Münter angewandt worden war. Die beiden dargestellten Frauen scheinen sich auf einer roten Chaiselongue von dem anstrengenden Modellsitzen zu erholen. Die Linke liegt bequem mit entblößtem Oberkörper und aufgestütztem Kopf auf dem roten Sitzmöbel. Ist der entblößte Oberkörper ein Zeichen ihrer Nachlässigkeit oder hält sie es für unnötig, sich zwischen den Modellsitzungen wieder anzuziehen? Fotografische Aufnahmen aus dieser Zeit von Modellsitzungen an der Kunstakademie oder an Malschulen zeigen oft mehrere Modelle zwischen den Staffeleien der Schüler. Das andere Modell sitzt aufrecht und hält etwas unsicher einen hellgrünen Gegenstand in den Händen, der die Farbe des benachbarten Rockes wieder aufgreift. Sie hat einen roten Hut auf dem Kopf und trägt ein hochgeschlossenes Kleid, dessen dunkle Farben sich deutlich vom leuchtend orange-roten Hintergrund abheben. Zur Farbe von Hut, Halstuch und der links sichtbaren Sitzgelegenheit korreliert der tiefrote Strumpf der Liegenden, der unter dem grünen Rock hervorblitzt, während sich die Schuhe farblich kaum vom dunklen Boden abheben. Alexander Kanoldt schafft einen reizvollen Kontrast zwischen bekleidetem und unbekleidetem Modell, den er auch farblich umsetzt: Die fast durchgehend schwarze Kleidung der einen steht im Gegensatz zu dem hellen Hautton und dem grüngrauen Rock der andern. Eingefasst werden beide durch den rot-orangenen Hintergrund von Chaiselongue und Wand. Der Maler, in den 1920er Jahren Professor an der der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau, lebte zwischen 1931 bis 1933 in Garmisch, wo er eine private Malschule betrieb. 1933 wurde er an die Kunstakademie in Berlin berufen, seine Werke wurden dennoch 1937 als „entartet“ beschlagnahmt. Sein später Malstil zeichnete sich durch eine magisch-realistische Variante im Stil der „Neuen Sachlichkeit“ aus.