157 - Weimarer Republik

Weimarer Republik

157 - Weimarer Republik

Der Buchdrucker und Zeitungsverleger Josef Fürst wird 1918 Vorsitzender des Arbeiter- und Bauernrates. Streitigkeiten innerhalb des Rates und die Ablehnung der kommunistischen Münchner Räterepublik von 1919 führen dazu, dass Josef Fürst den Vorsitz im Murnauer Rat niederlegt. In seiner Zeitung veröffentlicht er seine Beweggründe: „Angeeckelt durch die fortlaufenden, lügenhaften Entstellungen, die meine beste Absicht, Murnaus Wohl im Volks- bzw. Arbeiter- und Bauernrat zu vertreten, in den letzten Tagen von Seiten gewisser Persönlichkeiten gefunden hat, ist mir jede Arbeitsfreudigkeit im Arbeiter- und Bauernrat im Interesse Murnaus weiter zu wirken, geschwunden, und habe ich daher heute den Vorsitz niedergelegt und bin aus dem Arbeiter- und Bauernrat ausgetreten.“ Die in München gegründete Thulegesellschaft ist ein Sammelbecken völkischer, antisemitischer und rechtsradikaler Ideen. Nachweislich gehören auch zwei Murnauer, Gottfried Feder und Otto Engelbrecht, zu ihren Mitgliedern. Noch während der Räterepublik im April 1919 verfassen zwei frühe Unterstützer Hitlers, Dietrich Eckart und Gottfried Feder, ein antisemitisches Flugblatt. Die Botschaft ist denkbar simpel: Es gibt eine jüdische Weltverschwörung und die Juden sind an allem schuld. „Wohin wir auch sehen, stöhnen die arbeitenden Menschen unter der Knechtschaft des Zinses. Polypenartig erstreckt sich das Leihkapital über den Erdenrund und saugt am Lebensmark der Völker. International hängt es in sich zusammen, muss es zusammenhängen, damit es überall, wo sich die Gelegenheit bietet, neue Nahrung findet. Mit den Mendelssohn, den Bleichrödern, den Friedländern, den Warburg im Bunde stehen unsichtbar die Löb [!], die Schiff, die Cahn, die Peyer, die Morgan Amerikas! Wie viele es sind, verriet uns einmal Rathenaus Eitelkeit. ‚300 Männer, die sich alle untereinander kennen, leiten die Geschicke Europas’, triumphierte er vor etlichen Jahren.“